Monatsspruch Mai 2020

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!“ (1 Petrus 4:10)

 

Was hier sofort auffällt, ist die Übereinstimmung mit einer ähnlichen Aussage des Apostels Paulus im Römerbrief. Paulus erklärt der Gemeinde, dass sie als Leib Christi viele verschiedene Glieder hat, denen durch die Gnade Gottes unterschiedliche Gaben zum Dienen gegeben wurden (Römer 12:6). Die Apostel Petrus und Paulus betonen, dass es die Gnade Gottes ist, die zum Dienst am Nächsten befähigt.

Es kann ja auch gar nicht anders sein. Die Fähigkeit, anderen Menschen mit unseren Gaben und Fähigkeiten zu dienen, ist nicht „auf unserem Holz gewachsen“. Es liegt uns von Natur aus näher, bedient zu werden statt zu dienen. Zum Dienen braucht es die Ausstattung mit der Gnade Gottes. Und die „Gnadengaben“, von denen es im Neuen Testament mehrere Aufzählungen gibt, sind in erster Linie dazu gegeben worden, um anderen Menschen in der Gemeinde und der Welt zu dienen. Es sind „Dienstgaben“ – darauf liegt der Hauptakzent.

Es beginnt also mit der Gnade Gottes, mit der vielfältigen Gnade des Gebers aller Gaben. Dann heißt es, dass wir Verwalter dieser großartigen Güter sind. Petrus war ja dabei, als Jesus das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden (Matth 25:14-30) erzählte, und in unserem Monatsspruch wendet er es im Umfeld der christlichen Gemeinde ganz praktisch an. Die anvertrauten Pfunde, d.h. die von Gott gegebenen Dienstgaben, sollen nicht vergraben, sondern nutzbringend verwaltet werden.

Das ist nicht nur als Aufgabe zu verstehen, sondern vor allem als Ausdruck des Vertrauens Gottes uns gegenüber zu werten.

Doch zurück zur Gnade und den Gnadengaben. Im griechischen Text des Neuen Testamentes haben beide Wörter den gleichen Stamm: „cháris“ (Gnade), „charísma“ (Gnadengabe). Wer ein Charisma hat, wird in der säkularen Welt als Person mit einer besonderen Ausstrahlung angesehen. In der Gemeinde Jesu Christi aber geht es nicht in erster Linie um die Ausstrahlung, sondern um den Dienst, der mit diesem geistlichen Charisma  verbunden ist. Der Begriff „cháris - Gnade“ kommt im griechischen Neuen Testament 155 Mal vor, besonders in den Briefen des Paulus. Bei allen verschiedenen Deutungen dieses Wortes liegt der Schwerpunkt auf Gottes gnädiger Zuwendung zum Menschen. Ihren Höhepunkt erreicht diese Gnade am Kreuz Christi und der dort gezeigten Liebe zur Rettung des Sünders.

Gott rettet uns aus Gnade und Barmherzigkeit und befähigt uns anschließend, seiner Gemeinde und der Welt  aus und mit dieser Gnade zu dienen. Dazu ermutigt uns auch der Monatsspruch.

Petrus geht an dieser Stelle in summarischer Weise auf die Gnadengaben ein und nennt zwei Bereiche, in denen diese Gaben zur Ehre Gottes eingesetzt werden sollen: im Reden und im Tun. Konkret nennt er das Predigen, das als Gottes Wort herüberkommen muss. Dann das Tun, konkret das Dienen, wo er bezeichnenderweise ein Verb verwendet, das in dem Begriff „Diakonie“ enthalten ist. Dieses Dienen, so wie auch das Reden, sollen gespeist werden aus der Kraft, die Gott gewährt (V. 11). Das ist die Grundlage für alles Predigen, Reden und Dienen.

Nun handelt es sich hier, wie schon erwähnt, um eine summarische Zusammenfassung von zwei Hauptbereichen der Gnadengaben. An anderen Stellen im Neuen Testament, z.B. Römer 12:4-8, werden uns viele konkrete Gaben genannt, ebenso in 1 Kor 12:4-11.

Es bietet sich an, diese Bibeltexte einmal gründlich zu lesen. Das kann helfen, den Sinn und Zweck der Gnadengaben noch besser zu erfassen. Dabei können wir auch entdecken, welche der vielfältigen Gaben uns von Gott persönlich geschenkt worden sind. Als „gute Verwalter“ ist es wichtig, einen Überblick aller Güter und Gaben dessen zu haben, der sie uns anvertraut.

Niemand hat sie alle, aber die Ausübung einer Gnadengabe in Treue und Verantwortung vor dem Geber hat ungeahnte Auswirkungen auf die Gemeinde und die Menschen, mit denen wir leben. Dazu fordert uns der Monatsspruch aus der Feder des Apostels Petrus auf. Dazu möchte ich Sie auch ermutigen.

 

Es grüßt herzlich

Pastor i.R. Herbert Poganatz

Oskar Schwarz verstorben

Unser langjähriges Vorstandsmitglied Oskar Schwarz ist am 5. März 2020 kurz vor Vollendung seines 86. Geburtstages verstorben. Oskar hat viele Jahre mit seiner Frau Christa in Agua Dulce in der Nähe von Roquetas de Mar gewohnt und die Deutsche Evangeliumsgemeinde jahrelang durch seinen treuen und kompetenten Dienst auf vielen Ebenen bereichert.

Die Trauerfeier fand am 19. März in der Christuskirche, Wolfshof in Northeim statt.

Oskar Schwarz verbrachte die letzten Zeiten seines Lebens im Alten- und Pflegeheim der Inneren Mission Northeim GmbH.

Wir danken als Deutsche Evangeliumsgemeinde dem Herrn der Kirche für das Leben und den Dienst unseres Bruders Oskar und erbitten den Hinterbliebenen den Trost und die Zuversicht des Evangeliums.

Monatsspruch Februar 2020

 

 

„Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte“ (1. Kor. 7,23).

 

 

 

Der Apostel Paulus bemüht sich, den Gemeindegliedern in Korinth in verschiedenen drängenden Angelegenheiten seine Sicht der Dinge zu vermitteln. Es geht um Rechtssachen unter Christen, den Umgang mit Prostitution, um Ehe und Ehelosigkeit, um Ehescheidung und um die Lebensordnung derer, die sich Christus zugehörig wissen. Wie kann man die angesagte Grundhaltung eines Christen in diesen drängenden und auch heute sehr aktuellen Fragen auf den Punkt bringen?

 

Paulus gelingt das in souveräner Weise, indem er die Aussage unseres Monatsspruchs als Zuspruch und Aufforderung vermittelt: „Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.“

 

Wer teuer erkauft ist, besitzt einen hohen Wert. Daran darf jeder glaubende Mensch als tröstliche Tatsache in seinem Leben festhalten. Unser Wert wird durch den Kaufpreis definiert. Der Apostel Petrus nennt als Kaufpreis unserer Erlösung nicht Gold oder Silber, sondern „das teure Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes“ (1Petrus 1:19).

 

Da herrscht völlige Einigkeit unter den Aposteln. Jesus Christus hat sein Leben für das unsrige gegeben, denn aus Liebe zu uns waren wir es ihm wert – wir sind teuer erkauft. Das ist keine „billige Gnade“, wie es Dietrich Bonhoeffer nennt, sondern richtig „teure Gnade“. Wer sich so seines Wertes in den Augen Gottes gewiss ist, der muss nicht mehr nach Menschengunst schielen. Er kann aus einer souveränen Position heraus seine christliche Überzeugung leben und vor anderen vertreten.

 

Als Eigentum Christi bin ich „ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan“ (Martin Luther). Der Reformator sagt das in seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Ausgehend von der Rechtfertigung des Menschen aus dem Glauben an Christus ergibt sich eine Freiheit von menschlichen Zwängen und zeitgeistigen Ideologen und Meinungsmachern, die besonders auch in unseren Tagen unsere Zeitgenossen beeinflussen.

 

Ich habe den Eindruck, dass je länger die Medien und Meinungsmacher etwas behaupten und verbreiten, desto mehr der Eindruck entsteht, das sei die einzige Darstellungsmöglichkeit des Zeitgeschehens und der längst nicht mehr vom biblischen Gedankengut gekennzeichneten Lebenswirklichkeit des heutigen Menschen. In den Bereichen Ehe und Sexualität ist das besonders augenfällig, wobei die aktuell geführte „Gender“- Diskussion einen eigenen Stellenwert bekommen hat.

 

„Werdet nicht der Menschen Knechte“ ist eine zeitgemäße Warnung an Christen unserer Tage. „Lasst euch nicht von der herrschenden Ideologie, gleich welcher Farbe, euer Urteilsvermögen trüben.“

 

Unsere Freiheit besteht darin, dem Wort der Heiligen Schrift mehr Glauben und Vertrauen zu schenken als den Kräften, die sich eifrig bemühen, dieses geoffenbarte Wort Gottes als überholt und nicht mehr zeitgemäß zu propagieren.

 

Unsere Freiheit besteht aber auch darin, den Menschen mit dem Evangelium zu dienen, es ihnen lieb zu machen durch Wort und Tat. Freiheit zum Lieben und Dienen, das sind ebenfalls wesentliche Elemente der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat!

 

Nicht Knechte der auf verschiedenen gesellschaftlichen und religiösen Ebenen herrschenden Ideologie unserer Tage zu sein, sondern mit geschärften Sinnen anhand des Wortes der Heiligen Schrift alles zu prüfen. Das scheint mir die große Herausforderung unserer Zeit zu sein.

 

Dazu brauchen wir wache Sinne und den intensiven Umgang mit Gottes Wort, um uns der Aufforderung unseres Monatsspruchs zu stellen.

 

 

 

Es grüßt herzlich

 

Pastor i.R. Herbert Poganatz