Monatsspruch Februar 2020

 

 

 

„Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte“ (1. Kor. 7,23).

 

 

 

Der Apostel Paulus bemüht sich, den Gemeindegliedern in Korinth in verschiedenen drängenden Angelegenheiten seine Sicht der Dinge zu vermitteln. Es geht um Rechtssachen unter Christen, den Umgang mit Prostitution, um Ehe und Ehelosigkeit, um Ehescheidung und um die Lebensordnung derer, die sich Christus zugehörig wissen. Wie kann man die angesagte Grundhaltung eines Christen in diesen drängenden und auch heute sehr aktuellen Fragen auf den Punkt bringen?

 

Paulus gelingt das in souveräner Weise, indem er die Aussage unseres Monatsspruchs als Zuspruch und Aufforderung vermittelt: „Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.“

 

Wer teuer erkauft ist, besitzt einen hohen Wert. Daran darf jeder glaubende Mensch als tröstliche Tatsache in seinem Leben festhalten. Unser Wert wird durch den Kaufpreis definiert. Der Apostel Petrus nennt als Kaufpreis unserer Erlösung nicht Gold oder Silber, sondern „das teure Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes“ (1Petrus 1:19).

 

Da herrscht völlige Einigkeit unter den Aposteln. Jesus Christus hat sein Leben für das unsrige gegeben, denn aus Liebe zu uns waren wir es ihm wert – wir sind teuer erkauft. Das ist keine „billige Gnade“, wie es Dietrich Bonhoeffer nennt, sondern richtig „teure Gnade“. Wer sich so seines Wertes in den Augen Gottes gewiss ist, der muss nicht mehr nach Menschengunst schielen. Er kann aus einer souveränen Position heraus seine christliche Überzeugung leben und vor anderen vertreten.

 

Als Eigentum Christi bin ich „ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan“ (Martin Luther). Der Reformator sagt das in seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Ausgehend von der Rechtfertigung des Menschen aus dem Glauben an Christus ergibt sich eine Freiheit von menschlichen Zwängen und zeitgeistigen Ideologen und Meinungsmachern, die besonders auch in unseren Tagen unsere Zeitgenossen beeinflussen.

 

Ich habe den Eindruck, dass je länger die Medien und Meinungsmacher etwas behaupten und verbreiten, desto mehr der Eindruck entsteht, das sei die einzige Darstellungsmöglichkeit des Zeitgeschehens und der längst nicht mehr vom biblischen Gedankengut gekennzeichneten Lebenswirklichkeit des heutigen Menschen. In den Bereichen Ehe und Sexualität ist das besonders augenfällig, wobei die aktuell geführte „Gender“- Diskussion einen eigenen Stellenwert bekommen hat.

 

„Werdet nicht der Menschen Knechte“ ist eine zeitgemäße Warnung an Christen unserer Tage. „Lasst euch nicht von der herrschenden Ideologie, gleich welcher Farbe, euer Urteilsvermögen trüben.“

 

Unsere Freiheit besteht darin, dem Wort der Heiligen Schrift mehr Glauben und Vertrauen zu schenken als den Kräften, die sich eifrig bemühen, dieses geoffenbarte Wort Gottes als überholt und nicht mehr zeitgemäß zu propagieren.

 

Unsere Freiheit besteht aber auch darin, den Menschen mit dem Evangelium zu dienen, es ihnen lieb zu machen durch Wort und Tat. Freiheit zum Lieben und Dienen, das sind ebenfalls wesentliche Elemente der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat!

 

Nicht Knechte der auf verschiedenen gesellschaftlichen und religiösen Ebenen herrschenden Ideologie unserer Tage zu sein, sondern mit geschärften Sinnen anhand des Wortes der Heiligen Schrift alles zu prüfen. Das scheint mir die große Herausforderung unserer Zeit zu sein.

 

Dazu brauchen wir wache Sinne und den intensiven Umgang mit Gottes Wort, um uns der Aufforderung unseres Monatsspruchs zu stellen.

 

 

 

Es grüßt herzlich

 

Pastor i.R. Herbert Poganatz

 

 

 

 

 

 

 

 

Monatsspruch Januar 2020

 

„Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn“ (1. Kor. 1,9).

 

Der Apostel Paulus grüßt die Gemeindeglieder in Korinth zu Beginn seines ersten Schreibens an sie mit diesem Wort der Zuversicht und Ermutigung. Es ist ein  nachhaltiges und notwendiges Wort für jeden, der sich zu Beginn des neuen Jahres 2020 fragt, was es wohl an Neuigkeiten, Veränderungen und Unsicherheiten bringen wird. In einer Zeit von häufig wechselnden politischen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Umständen brauchen wir einen festen Halt und eine gute Grundlage, auf die in wechselvollen Zeiten Verlass ist. Unser Monatsspruch möchte dazu beitragen und Hilfe und Zuversicht vermitteln.

Der Trost und die Ermutigung,  die von diesem Bibelwort ausgehen, kann an drei Faktoren festgemacht werden.

Da ist zunächst die Treue Gottes, auf die sich der Apostel aus Erfahrung stützen kann. Dann hebt er die Gemeinschaft mit Jesus hervor, die er in seinem Leben als Christ ohne Unterbrechung erfahren hat. Und das Tröstliche an dieser Gemeinschaft ist, dass Jesus Christus, unser Herr, sie stiftet und gewährt.

Ein schöner Dreiklang, der uns das ganze Jahr über als Zusage und tröstliche Gewissheit begleiten kann.

Was mich an diesem Text aber besonders fasziniert, ist die Berufung in die Gemeinschaft des Sohnes Gottes.

Als meine Frau und ich nach 28-jährigem Dienst in und mit der Mission eine Pastorenstelle in Hamburg antraten, wurde uns der jetzige Monatsspruch als ermutigendes Wort mit auf den Weg gegeben. Was ist das Wichtigste in unserem Dienst und in unserem Leben? Die Gemeinschaft mit Jesus Christus. Das ist unsere wahre Berufung. Sie steht an erster Stelle. Nicht das Arbeiten und Schaffen in der Gemeinde und im Reich Gottes, nicht der oft mühevolle Umgang mit Menschen, denen wir auf verschiedenen Ebenen dienen dürfen. Nicht das Eifern um Gottes Sache in einer immer gottloser werdenden Welt.

Es geht darum, die Berufung in die Gemeinschaft des Sohnes Gottes als wichtigstes Geschenk der Gnade Gottes anzunehmen. Denn weil Gott treu ist, beruft er seine Kinder dazu, mit Jesus Gemeinschaft zu pflegen, mit ihm fortwährenden Umgang zu haben im Gebet und unter seinem Wort. Daraus erwachsen Hoffnung und Zuversicht.

Wer den Sinn solch einer Berufung erfasst hat, wird sich nicht nur in Schaffen und Mühen verlieren, sondern die Wichtigkeit der persönlichen Gebets- und Bibellesezeit erkennen und täglich praktizieren.

Das ist doch ein lohnender Vorsatz für 2020: Täglich die Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus praktizieren, sich nicht verlieren in den Geschäften des Alltags, Freiraum schaffen für das Gebet und die Bibellese, sei es persönlich, in der Ehe und Familie oder auch in der Gemeinde.

Weil Gott treu ist, möchte er uns in der Nähe seines Sohnes, unseres Herrn haben. Aus dieser Nähe erwächst uns Hoffnung, Zuversicht und neuer Lebensmut.

Die Gemeinschaft mit Jesus Christus ist gleichzeitig die Gemeinschaft mit Gottes Kindern. Gemeinschaft mit Gott gemeinsam erleben ist etwas Wundervolles. Gemeinschaft in der Anbetung, im Dienst, unter seinem Wort, im Mahl des Herrn. Die Liste lässt sich umfangreich ergänzen.

Mögen die Treue Gottes und die Gemeinschaft mit Jesus und untereinander uns das ganze neue Jahr hindurch bestimmen und begleiten.

Gott ist treu!

Es grüßt herzlich

 

Pastor i.R. Herbert Poganatz