Monatsspruch Dezember 2020

“Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut“ (Jesaja 58,7).
Man könnte meinen, dass dieser Text ein allgemein humanistischer Aufruf an die menschliche Gesellschaft ist – zu mehr sozialer Sensibilität, mehr Mitmenschlichkeit, mehr Nächstenliebe. Besonders in der Advents- und Weihnachtszeit, in der viele Organisationen zu Spenden, Patenschaften und mitmenschlichem Engagement aufrufen, ist das doch ein passender Text. Oder?
Wenn wir diesen Text aber im Zusammenhang des Propheten Jesaja lesen, wird uns schnell klar, wer hier eigentlich angesprochen ist. Es ist das Volk Gottes, das seit Urzeiten das Gebot der Nächstenliebe kennt, aber immer wieder vernachlässigt oder gar missachtet hat.
Im Kontext von Kapitel 58 des Buches Jesaja, aus dem der Monatsspruch stammt, geht es zunächst um die heuchlerische Frömmigkeit, die damals im Volk Gottes stark verbreitet war. Der Prophet erhebt seine Stimme und nennt konkret die sozialen Missstände, die unter dem Deckmäntelchen der Frömmigkeit so manchen Menschen in Israel leiden lassen.
Die Mächtigen und Wohlhabenden meinen, dass ihre religiösen Aktivitäten doch von Gott anerkannt und belohnt werden müssten, z.B. wenn sie fasten und
„ihren Leib kasteien“ (Jes. 58:3+4). Aber Gottes Antwort lautet: „An dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter..., hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein“.
Gott lässt sich nicht durch heuchlerische Frömmigkeit beeindrucken. Er will Gerechtigkeit und Nächstenliebe als Ausdruck echten Glaubens an ihn. Jakobus nimmt später im Neuen Testament dieses göttliche Prinzip auf und formuliert in klassischer Weise den Leitsatz:
„Der Glaube ohne Werke ist tot“ (Jak. 2:17).
Das Volk Gottes aller Zeiten muss sich daran messen lassen, ob sein Glaube konkrete Auswirkungen auf den Umgang mit dem Nächsten hat. Hungrige, Obdachlose, Bedürftige gibt es mehr denn je. Wie begegnen wir ihnen? Ist es mit Nahrungs- und Kleiderspenden getan, mit der Finanzierung von Unterkünften? Oder sollten wir noch mehr und besonders auf den letzten Teil des Monatsspruches achten:
„Entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut“, d.h. deinem Nächsten?
Jeder von uns hat sicher recht begrenzte persönliche Mittel, um dem Leid und der Ungerechtigkeit unserer Zeit zu begegnen. Aber Empathie und Solidarität mit Verfolgten, Leidenden, Hungernden und Obdachlosen sind das Gebot der Stunde. Gebet um Weisheit für die Menschen, die in der öffentlichen Verantwortung für unsere Gesellschaft stehen, ist notwendiger denn je zuvor. Die Unterstützung von Organisationen, die sozial-diakonische Programme durchführen, ist auch ein Ausdruck von Solidarität mit den Leidenden und Entrechteten. Als
Freie evangelische Gemeinden sind wir dankbar z.B. für die Allianz-Mission, die weltweit unseren Monatsspruch vielfältig umzusetzen versucht und dabei unsere Unterstützung braucht.
Der Spruch aus dem Propheten Jesaja ist ein Aufruf gegen Gleichgültigkeit und soziale Kälte, gegen Egoismus und Abgrenzung. Möge es uns besonders in der Advents- und Weihnachtszeit gelingen, trotz der schwer zu ertragenden Covid-19 Bestimmungen dem Aufruf des Prophetenwortes Rechnung zu tragen:
„Entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut“.
Dazu gebe uns der Herr Weisheit und Einfallsreichtum zum Wohle unseres Nächsten.
Es grüßt herzlich
Pastor i.R. Herbert Poganatz

Monatsspruch November 2020

Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten

(Jeremia 31:9).

 

Manche Tage im Monat November sind dunkel, regnerisch und erwecken die Sehnsucht nach Sonne, Licht und Wärme. Auch die allgemeine Stimmungslage vieler Menschen ist in diesen Tagen recht angekratzt. Und wenn man wie ich viele Jahre des Lebens in sonnigeren Breitengraden verbracht hat, freut man sich umso mehr über jeden sonnigen Tag, besonders in dunklen Jahreszeiten.

Licht statt Dunkelheit - wie sehr hat sich das Volk Israel in den Tagen des Propheten Jeremia nach Licht und Erlösung gesehnt. Der Prophet hatte in seinen prophetischen Reden immer wieder seine Landsleute vor den schrecklichen Folgen des Abfalls von Gott gewarnt – ohne Erfolg. Dann kam das Ende mit der Deportation in die babylonische Gefangenschaft. Alles schien aus zu sein. Die vielen Gerichtsworte hatten sich erfüllt. Man könnte erwarten, dass diese Gerichtsworte das „letzte“ Wort Gottes an sein Volk seien. Aber das entspräche in keiner Weise dem Wesen Gottes, auch nicht dem Gott, wie er uns im Alten Testament begegnet. Denn inmitten von Gerichtsworten erstrahlen die Liebe und die Gnade des Schöpfers und Erhalters Israels umso heller.

Wer würde z.B. inmitten der vielen Gerichtsworte erwarten, solche Worte zu hören: „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte“ (Jer 31:3)? Ist das vielleicht ein Druckfehler, denn solche Töne entsprechen doch wohl eher dem Neuen Testament?

Nein, der Gott des Alten Bundes ist kein anderer als der Gott des Neuen Testamentes. Während das gerechte Gericht über Gottes Volk ergeht, macht Gott bereits Pläne für den Wiederaufbau und den Trost seines Volkes.

Es sind die vielen Verheißungen und Zusagen Gottes, die dem Buch Jeremia einen ganz besonderen Touch verleihen. Gericht, ja. Gnade, auf jeden Fall. Das illustriert der Prophet auf unvergleichliche Weise. Gott lässt ihn z.B. einen Acker kaufen, obwohl es Jahrzehnte dauern wird, bis er genutzt werden kann. Jeremia kauft einen Acker in dem Ort Anatot nach allen gültigen Geschäftsregeln und hört dann Gottes Zusage: „Man wird wieder Häuser, Äcker und Weinberge kaufen in diesem Land“ (Jer 31:15). Das ist keine Fehlinvestition, sondern eine gute Investition in die Zeit danach.

Nein, mit der babylonischen Gefangenschaft ist nicht das Schicksal des Volkes Gottes besiegelt. Es gibt eine Zukunft, eine wunderbare und verheißungsvolle dazu!

Unser Monatsspruch aus Jer 31:9 unterstreicht das in eindrucksvoller Weise. Er gehört nahtlos zu dem „roten Faden“, der sich durch das Prophetenbuch zieht: „… ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet“ (Jer 29:11).

Wer nach leidvollen Erfahrungen jedweglicher Art weinend kommt und bei dem Guten Hirten Hilfe und Erleichterung sucht, wird nicht enttäuscht werden. Es sind die Worte Jesu, die in unserem Monatsspruch bereits deutlich erkennbar anklingen: „Kommt her zu mir, ich will euch erquicken“ (Matth 11:28). Es ist der Trost des 23. Psalms, der hier vorgezeichnet ist.

Welche Art von Schuld man auch immer auf sich geladen hat, welche Art von Dunkelheit auch immer, die man durchschreiten musste, das letzte Wort hat der gnädige und barmherzige Gott: „Ich will sie trösten und leiten“.

Nicht von ungefähr nennt der Apostel Paulus diesen Gott den „Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes“ (2 Kor 1:3). Es ist der Vater unseres Herrn Jesus Christus, den der Prophet Jeremia schon ankündigt. Ohne Jesus Christus wären die vielen Worte der zukünftigen Gnade, die Jeremia verkündigt, leeres Stroh. In Jesus Christus ist der Gott allen Trostes zu uns gekommen. Was im Alten Testament Verheißung ist, erfüllt sich mit dem Kommen Jesu in unsere Welt. Und, wie Jesus selber sagt, „wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Joh 6:37), sondern er wird Erquickung und Trost finden.

Dafür sind wir unserem Herrn von Herzen dankbar.

 

Es grüßt herzlich

Pastor i.R. Herbert Poganatz

Monatsspruch August 2020

„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele“ (Psalm 139,14)

 

„Du bist du, das ist der Clou“. Jedes Mal, wenn ich dieses Lied für und mit meiner Enkelin anstimme und in souveräner Weise den Text ein wenig ändere, ist sie ganz Ohr und freut sich besonders, wenn ich sie mit dem Finger antippe: „Du bist du, das ist der Clou“. Gewiss, „das ist der Clou“ steht bekanntlich nicht im Originaltext von Jürgen Werth, dem Autor dieses Liedes. Aber es reimt sich so schön und drückt aus, worum es hier geht: „Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu…“

Der Beter des 139. Psalms, in dem unser Wochenspruch steht, ist fasziniert von seinem Schöpfer, als dessen wunderbares Werk er sich versteht.

Wenn es Eltern und Großeltern gelänge, dieses Wissen um die Einzigartigkeit eines jeden Kindes den Kleinen zu vermitteln, kann das eine große Hilfe für das spätere Leben sein. Wenn ein Kind lernt, zu seinem „Sosein“ früh ein Ja zu finden, ist es besser gerüstet für so manche Situationen, die kaum einem Kind erspart bleiben – Mobbing, sich lustig machen über gewisse körperliche Merkmale etc.

So wie ich bin, bin ich gut. Denn, wie es im Lied von Jürgen Werth heißt, „dass du lebst, war keine eigene Idee, und dass du atmest, kein Entschluss von dir… Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur… du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Du bist du“.

Ist das nicht auch die Botschaft von Psalm 139? „Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin.“ So wie ich bin, darf ich mich annehmen und danken, denn „dein Gesicht hat niemand sonst auf dieser Welt, und solche Augen hast alleine du…“

Wer das einmal verinnerlicht hat, ist besser gerüstet für hämische Kommentare von „Mitmenschen“, die besonders bei sensiblen Kindern oft großen Schaden anrichten.

Was mich immer wieder tief berührt und nachdenklich macht, sind Erfahrungen mit Menschen, die ihre ureigenen Schwierigkeiten mit ihrem Sosein haben, und deren Empfindungen niemand außer ihnen selbst nachvollziehen kann. Sie brauchen Verständnis und besondere Zuwendung.

 „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin“, sagt unser Monatsspruch, und „wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele“.

Manchmal ist der Weg zu solch einer persönlichen Erkenntnis lang und schwer. Im Innersten meiner Existenz zu meinem Sosein ein volles Ja zu finden, kann mit inneren Kämpfen verbunden sein und auch von Rückschlägen begleitet werden. Obwohl es ein Lied für junge Leute ist, hilft es auch mir auf dem Weg der dankbaren Selbstannahme: „…du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Du bist du – das ist der Clou“. Und ich bin ich – mich gibt es nur einmal, ich bin auch ein Gedanke Gottes, vielleicht sogar ein recht humorvoller meines Schöpfers.

Ich werde weiterhin bei jeder passenden Gelegenheit mit meiner kleinen Enkelin dieses Lied singen.

Helfen wir doch auch anderen Menschen dabei, sich selber in ihrem Sosein zu akzeptieren und als von Gott geliebte Geschöpfe zu verstehen. Eine betende Lektüre des wunderbaren Psalms 139 kann dabei eine Hilfe sein

 

 

Es grüßt herzlich

Pastor i.R. Herbert Poganatz

Oskar Schwarz verstorben

Unser langjähriges Vorstandsmitglied Oskar Schwarz ist am 5. März 2020 kurz vor Vollendung seines 86. Geburtstages verstorben. Oskar hat viele Jahre mit seiner Frau Christa in Agua Dulce in der Nähe von Roquetas de Mar gewohnt und die Deutsche Evangeliumsgemeinde jahrelang durch seinen treuen und kompetenten Dienst auf vielen Ebenen bereichert.

Die Trauerfeier fand am 19. März in der Christuskirche, Wolfshof in Northeim statt.

Oskar Schwarz verbrachte die letzten Zeiten seines Lebens im Alten- und Pflegeheim der Inneren Mission Northeim GmbH.

Wir danken als Deutsche Evangeliumsgemeinde dem Herrn der Kirche für das Leben und den Dienst unseres Bruders Oskar und erbitten den Hinterbliebenen den Trost und die Zuversicht des Evangeliums.