Monatsspruch Februar 2019

 

Römer 8, 18

Der Apostel Paulus schreibt: Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

 

            Wahrlich, das Leben des großen Apostels war gekennzeichnet von vielen Leiden, Entbehrungen und Erlebnissen, die ihn häufig an den Rand seiner Existenz brachten. Auf dem Weg nach Damaskus, wo er die Anhänger des Glaubens an Jesus fesseln und gebunden zur Verurteilung nach Jerusalem bringen will, begegnet ihm der Auferstandene, den er bis dahin mit der Inbrunst seines Herzens bekämpft hat.  Die Bekehrungsgeschichte des Paulus ist uns wohlbekannt,  aber ein Detail ist besonders wichtig, um das spätere Leben des Apostels besser zu verstehen.

 Der Auferstandene redet zu dem Jesusjünger Hananias in Damaskus und bereitet ihn auf den Empfang des gefürchteten Christenverfolgers Saulus vor. Hananias erfährt von Jesus, dass der bekehrte Saulus Gottes auserwähltes Werkzeug sein wird, um den Namen des Messias Jesus vor Heiden, Könige und das Volk Israel zu tragen. Und dann erfolgt in dieser bedeutungsschweren Stunde ein prophetisches Wort über Paulus: „Ich will ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen“. Das wurde im Leben des Verfolgers, der zum Verfolgten wird, häufig zur schmerzhaften Realität, wie man seinen Beschreibungen z.B. im 2. Korintherbrief  (11, 22-33) entnehmen kann. Handelt es sich hier etwa um eine „Retourkutsche“ des Herrn, im Sinne von: „Du hast meine Gemeinde verfolgt und ihr viel Leid zugefügt, nun wirst du am eigenen Leibe erfahren, was das bedeutet“? Ganz gewiss nicht – so handelt nicht der Herr, der Saulus vergibt und ihn als Paulus zum Dienst der Mission bevollmächtigt.

Aber, so fragen wir weiter, ist unser Monatsspruch dann eher eine biographische Aussage des Apostels, ein persönliches Zeugnis, das uns „gewöhnliche“ Christen zwar beeindruckt, aber nicht unbedingt direkt betrifft? Das wäre mit Sicherheit zu kurz gegriffen. Obwohl diese Aussage existentiell zum Dienst und Leben des Paulus gehört, geht sie alle Kinder Gottes und Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesus etwas an. Unser Text steht in einem größeren Zusammenhang. 

Im achten Kapitel des Römerbriefes wendet sich Paulus an Menschen, die „in Christus“ sind, die durch den Glauben an ihn zu Kindern Gottes geworden sind. Ihnen allen versichert er, dass Kinder Gottes vom Geist Gottes bewegt und geleitet werden, dass sie voller Vertrauen „Abba, Vater“ zu Gott sagen dürfen, und dass sie der künftigen Herrlichkeit teilhaftig sind. Dann beschreibt der Apostel das segensreiche Wirken des Heiligen Geistes im Leben der Kinder Gottes. Er hilft  unserer Schwachheit auf und vertritt uns mit „unaussprechlichem Seufzen“ vor Gott.

Aus dem Gesamtzusammenhang dieses großartigen Kapitels 8 geht hervor, dass die Kinder Gottes in dieser Weltzeit nicht verschont bleiben von Leiden, Schmerzen und oft bitteren Lebensumständen. Aber sie haben eine lebendige Hoffnung – nichts kann sie scheiden von der Liebe Gottes. Und deshalb können sie voller Zuversicht nach vorne schauen. Alles, was uns in unserem Leben an Leid, Krankheit, Tränen oder Schmerz begegnet, hat und ist nicht das letzte Wort. Wir hören die tröstlichen Worte des Apostels: „Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll“.

Seien es die weltweit verfolgten Christen, die aus diesem Text besondere Kraft schöpfen, seien es Leid und Tränen, die uns auf unserem persönlichen Lebensweg begegnen - unser Lebensweg ist nicht auf Rosen gebettet. Aber das  Leid und alle bedrückenden Lebensumstände dürfen und sollen nicht so übermächtig werden, dass  sie uns die Hoffnung der Herrlichkeit nehmen.

Das gerade begonnene Jahr 2019 liegt wie unerforschtes Land vor uns. Wir wollen uns der Überzeugung des Apostels anschließen und voller Zuversicht den Blick auf den richten, der uns in seinem Wort Hoffnung und Zuversicht schenkt.

 

Liebe Grüße,

Ihr Pastor i.R. Herbert Poganatz