Erntedankfest 2016, DER

 

Da hat sich ein Journalist “Zum Erntedankfest” Gedanken gemacht und schreibt u.a., worum es bei diesem Fest aus seiner Sicht geht:

“Die Rekordrübe hat nichts damit zu tun und ganz sicher nicht die viereckige Tomate aus den Gen-Labor. Am Erntedanktag wird im christlichen Abendland nicht der erfolgreiche Hobby-Gärtner oder gewiefte Wissenschaftler geehrt, sondern Gott als Schöpfer der Erde, deren Früchte uns ernähren – zu mindestens uns in unserem glücklichen Europa, wo nicht verrückt gewordene Menschen diese Erde verwüsten. Und wo es, gottlob, genug der guten Gaben gibt, den Hunger in den großen, unglücklicheren Teilen der Erde zu mindestens zu lindern.

Fest und Opferritus sind uralt: Die Griechen taten’s, die Römer, das alte Israel. Die Kirche im Mittelalter zelebrierte besondere Messen, segnete Früchte, sang das Tedeum. Erntedankfeiern kennen die evangelischen Christen seit der Reformation, ab 1700 sind Erntepredigten im Ländlichen Sitte, Preußen verordnete 1773 einen festen Termin: Sonntag nach Michaelis.

Ährenbekränzte Altäre, Blumenschmuck und Früchtekörbe und bunte Bänder sind vertraute Bilder aus der Kindergartenzeit.

Heute tritt an diesem sympathischen Festtag angesichts zubetonierter Städte, Umweltzerstörung, Luft- und Bodengift zunehmend die Besinnung auf die Wahrung der Schöpfung ins Zentrum  vieler Reflektionen. Das ist wichtig und richtig.

Und der, der Gott fürs tägliche Brot nicht loben will, mag sich morgen vielleicht der Tatsache erinnern, dass wir von dem leben, was Bauern unterm Himmel pflanzen und ernten. Und dass auch Hochtechnologie-Experten im Zweifelsfall Kartoffelchips essen und keine Mikrochips“ (Jörg Bartel).

Ich habe mich gefreut, vor einiger Zeit diesen Kommentar eines Journalisten in einer Tageszeitung zu entdecken.

In meiner heutigen Predigt zum Erntedankfest geht es um einen kurzen Text aus dem Brief des Apostels Paulus an Timotheus:

 

1 Tim 4:4-5

 

“… alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet”. (Luther)

 

Die Gute Nachricht: Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut. Wir brauchen nichts davon abzulehnen, sondern dürfen alles essen, wenn wir Gott dafür danken.“

 

Gottes fundamentale Zusage

Erntedank erinnert uns an die fundamentale Zusage des Schöpfergottes für die Menschheit:
„Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (Gen 8:22).

Und dann definiert Gott auch noch, was die Menschen essen sollen und dürfen:

„Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise: wie das grüne Kraut habe ich’s euch alles gegeben...“ (Gen 9:3).

Damit stellt die Heilige Schrift klar, dass nach Gottes Plan sowohl Pflanzen als auch Tiere dem Menschen als Nahrung dienen sollen. Sowohl Vegetarier als auch Fleisch- und Fischesser können sich hier wiederfinden und guten Gewissens genießen, was Gott in seiner Güte seinen Menschen schenkt. Und wenn ich sage schenkt, dann sind wir in unserer Wohlstandgesellschaft besonders gemeint. Ich lasse es mal dahingestellt, ob pro Woche ein oder mehrere Tage das Essen von hauptsächlich Gemüse oder Fisch der Gesundheit dient, welche Rolle das Fleisch dabei spielt – das können die Ernährungsberater besser definieren.

Wir befinden uns jedenfalls in der angenehmen, biblischen Ausgangsposition, dass alles, was Gott geschaffen hat, gut ist und nicht verwerflich, wenn wir es mit Danksagung genießen.

Genießen mit Danksagung – das ist das Schlüsselwort. Es beginnt mit dem Bewusstsein, dass wir von Gottes Güte und der Fülle seiner Gaben leben und erhalten werden.

Martin Luther hat das in einmaliger Weise in seinem Kleinen Katechismus zum Ausdruck gebracht:

 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Was ist das?
Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was Not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohn’ all mein Verdienst und Würdigkeit: für all das ich ihm zu danken und zu loben und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewisslich wahr.

 

Da ist Gesundheit, Besitz, Genuss und vor allem Dankbarkeit auf den Punkt gebracht. Kann man Dankbarkeit schöner zum Ausdruck bringen? Dazu soll auch immer wieder das Erntedankfest dienen.

·      Erntedank lädt uns nicht nur zur Dankbarkeit ein, sondern auch zum Nachdenken über das, was Menschen aus Gottes guter Schöpfung und seinen Gaben gemacht haben, und wie wir mit den Segnungen Gottes umgehen.

Es fing ja schon mit Noahs Weinberg an. Gerade hat Gott der Menschheit in einem Bund seine Zusagen bekräftigt, dass die Natur weiterhin unter seinem Segen steht, da macht ausgerechnet Noah, der Anführer der neuen Menschheit, einen großen Fehler – er pflanzt einen Weinberg betrinkt sich maßlos mit allen negativen Begleiterscheinungen, die das mit sich bringt. So hatte sich der Schöpfer das wohl kaum vorgestellt.  Der biblische Bericht zeigt uns ganz nüchtern und ohne Beschönigung, wie man nicht mit Gottes guten Gaben umgehen sollte.

Genuss ohne Reue?

Genuss ohne Reue - gibt es das überhaupt? Ist nicht der unangemessene Gebrauch von Gottes guten Gaben ein hervorstechendes Merkmal unserer Zeit?

Sei es, dass man Nahrungsmittel missachtet und undifferenziert vernichtet, dass man sie zu seinem wirtschaftlichen Vorteil oder zu seinem eigenen gesundheitlichen Nachteil nutzt; sei es, dass man den Geber aller guten Gaben vergisst oder überhaupt nicht als Ursprung unserer reichlichen Versorgung anerkennt, oder dass man das biblische Gebot ausblendet, das uns anleitet, Gutes zu tun und anderen mitzuteilen von unserem Überfluss. Erntedank macht uns auch in dieser Hinsicht nachdenklich.

Sind nicht auch die vielzitierten Zivilisationskrankheiten ein Zeichen dafür, dass wir nicht mehr richtig und in Maßen das genießen können, was uns der Schöpfer und Erhalter des Lebens in unseren Überflussgesellschaften anvertraut hat?

Das Erntedankfest ist sicher auch Anlass, uns darüber Gedanken zu machen und unser Leben neu auszurichten nach dem Willen des Schöpfers.

Als der Apostel Paulus den Text aus 1 Tim 4 schrieb, beabsichtigte er, eine falsche „Diät“-Lehre seiner Tage zu korrigieren. Einige Irrlehrer in Ephesus, die zu den  Gnostikern gehörten, verwirrten die Christen mit der Lehre,  dass nur der Geist gut und alles Stoffliche böse sei. Der Leib und alles, was damit zusammenhängt, alle körperlichen Triebe und Funktionen, ja die ganze Welt, selbst das Edelste und Feinste in ihr, galt den Irrlehrern als verächtlich. Sie forderten, dass man sich soweit wie möglich aller Speisen enthalte, denn sie dienten ja dem Leib, der böse sei. Auch solle man ehelos bleiben, weil die damit verbundene eheliche und körperliche Gemeinschaft unter das gleiche Urteil fiele...

Das alles hat gewiss gar nichts mit Gottes Plan für die Menschen zu tun. So haben die Verfasser des frühchristlichen Apostolischen Kanons in Kapitel 51 desselben umgehend darauf reagiert und festgestellt, dass wenn ein Aufseher, Priester, Diakon oder anderer Geistlicher ehelos bleibt, kein Fleisch ist oder keinen Wein trinkt aus Abscheu, weil er das alles für böse hält, dann lästert er das Werk Gottes. Denn Gott hat auch Mann und Frau füreinander in der Ehe bestimmt und dass alles, was Gott geschaffen hat, gut ist und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird. Die Empfehlung dieser frühchristlichen Schrift war, Menschen mit diesen Lehren und Praktiken, wenn  sie sich nicht bessern, auszuschließen.

Paulus will die Gemeinde offenkundig vor solchen unbiblischen Ansichten warnen und schreibt an Timotheus und die Gemeinde in Ephesus den Text, den wir wiederholt zitiert haben.

Dankbarkeit

Gott beschenkt uns reichlich mit seinen Gaben. Wir sollen sie nicht verachten. Wir sollen sie aber auch nicht missbrauchen, indem wir sie maßlos zu unserem eigenen Schaden verwenden, seien es Genussmittel, die zur Abhängigkeit führen, oder falsch und maßlos gebrauchte Sexualität, die Krankheiten verursacht, sei es das Anhäufen von materiellem Besitz, der unsere Herzen abgöttisch beherrscht, oder aber das grundsätzliche Vergessen, wem wir alle guten Gaben zu verdanken haben.

 Genießen mit Danksagung. Wie geht das am besten? Ist es nicht so, dass es am besten in der festen Bindung an unseren Herrn Jesus Christus möglich ist? Das persönliche Verhältnis zu Jesus und das ständige Achten auf sein Wort kann uns vor dem Missbrauch der Gaben Gottes bewahren und vor Überschreitung der Grenzen schützen: „Es ist mir alles erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nicht gefangen nehmen (1 Kor 6:12).

Und der Apostel geht noch einen Schritt weiter, wenn er fortfährt: „Die Speise dem Bauch, und der Bauch der Speise – das eine wie das andere ist vergänglich. Der Leib aber nicht der Unzucht, sondern dem Herrn, und der Herr dem Leibe...“ (1 Kor 6:13).

Wir entnehmen dem Text, dass Genuss ohne Reue von der Einhaltung der vom Schöpfer gegebenen Regeln abhängig ist – in allen Dingen, die unseren Leib betreffen.

So ist das Erntedankfest immer wieder Anlass, uns der guten Gaben Gottes bewusst zu werden und sie schöpfungsgemäß zu genießen.

·      Erntedank ist aber auch Anlass, der Worte Jesu zu gedenken: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Munde Gottes geht“ (Mat 4:4). 

Jesus sagt uns nicht ohne Grund dieses wichtige Wort. Er will damit warnen vor dem falschen Weltbild, das Nahrung und Genuss, Gesundheit, Besitz und materielles Glück sowie soziale Sicherheit bei aller Wichtigkeit, die ihnen zukommt, als alleinigen und erstrebenswerten Lebensinhalt ansieht. Das alles ist sehr wichtig, und wir danken ja Gott am Erntedankfest dafür. Aber es gibt ein Brot, eine Speise, ohne die der Mensch selbst im Überfluss hungrig bleibt und unbefriedigt – das Brot des Lebens, das Wort Gottes. „Herr, dein Wort, die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir, denn ich zieh’ es aller Habe und dem größten Reichtum für...“.

Das Brot des Lebens

Viele Menschen unserer Zeit suchen nach Möglichkeiten, ihren unstillbaren Hunger nach Leben zu stillen, landen aber häufig in Angst und Ungewissheit, weil sie das „Brot des Lebens“, Gottes Wort, entweder nicht kennen oder nicht wollen.

Der vor einiger Zeit verstorbene „Literaturpapst“, wie er genannt wurde, Reich-Ranicki, bekannte, dass er Angst vor dem Tode habe, aber nicht an Gott und ein Leben danach glaube. Er wollte, wenn möglich, für immer auf der Erde leben, um weiterhin das tun zu können, was ihm hier Befriedigung verschafft. Aber er sträubte sich dagegen, das Wort des Lebens als Anleitung für das ewige Leben zu akzeptieren und verharrte in einer unglaublichen Ablehnung gegenüber allem Göttlichen. Welch eine Hoffnungslosigkeit offenbarte sich hier! Mich hat es nur traurig gemacht, als ich in einem Fernsehinterview mit ihm, einem Juden, diese sich gegen alles Göttliche widerstrebende atheistische Grundhaltung  massiv erlebte. Ich habe diesen Literaten zutiefst bedauert, dass er Menschenworte in seiner Literaturkritik schätzte und bewertete, aber sich dem entscheidenden Wort des Lebens verschloss und in Hoffnungslosigkeit starb.

 

·      Erntedankfest bedeutet auch, Gott dafür zu danken, dass er uns das Brot des Lebens, seinen Sohn Jesus Christus gegeben hat. Mit ihm gibt es lebendige Hoffnung über diese Lebenszeit hinaus.

·      Erntedank erinnert uns ebenso daran, dass unser eigenes Leben ein Säen und Ernten ist.

Säen und ernten

Sicher ist das Pauluswort aus Gal 6:7-10 in diesem Zusammenhang aufschlussreich: „Was der Mensch sät, das wird er auch ernten, oder wie die Gute Nachricht übersetzt: Jeder wird ernten, was er gesät hat. Wer sich von seiner Selbstsucht leiten lässt, wird den Tod ernten. Wer sich von Gottes Geist leiten lässt, wird unvergängliches Leben ernten. Wenn die Zeit da ist, werden wir auch die Ernte einbringen; wir dürfen nur nicht aufgeben. Solange wir also noch Zeit haben, wollen wir allen Menschen Liebe erweisen, besonders denen, die mit uns durch den Glauben verbunden sind.“

An einem Tag wie heute ist es angebracht, uns daran zu erinnern. Es geht auch um die Saat guter Taten, wie z.B. der Prediger in seinem Kap. 11 rät: „Lass den Brot über das Wasser fahren, denn du wirst es finden nach langer Zeit.“

Jesus rät uns ja auch, in das Reich Gottes zu investieren und nicht Schätze auf Erden zu sammeln, wo sie Motten und Rost fressen oder Diebe sie stehlen, sondern im Himmel. Tiefe, bedeutungsschwere Worte unseres Herrn, an die wir am Erntedankfest auch erinnert werden. Dazu gehört sicher auch die Aussage des Apostels Paulus: Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Vorher hat er gesagt (2 Kor 9:6): „Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen“. Aber nicht mit Unwillen oder aus Zwang.

Lasst uns Gutes tun und nicht müde werden! Lasst uns Liebe säen und nicht müde werden! Lasst uns Worte des Friedens ausstreuen und nicht ablassen es zu tun!

Die Frucht dieser Saat ist geht nicht immer sofort auf, aber sie wächst im Verborgenen und wird zu ihrer Zeit sichtbar werden.

Wenn ich auf unseren langen Dienst in Perú z.B. zurückdenke, nehme ich das Erntedankfest persönlich immer wieder zum Anlass, Gott zu danken für vieles, was uns heute fast selbstverständlich ist, wovon aber Millionen von Menschen nur träumen können:

·      Dass meine Rente mir regelmäßig und pünktlich ausgezahlt wird.

·      Dass ich ein warmes Zuhause habe.

·      Dass wir Nahrung im Überfluss haben

·      Dass ich in einem guten Gesundheitssystem untergebracht bin (da denke ich häufig an die Streiks von Ärzten und Pflegepersonal in gewissen Ländern)

·      Dass wir in einer stabilen Demokratie leben dürfen, in der Ordnung und Sicherheit als hohes Gut gelten

 

Gewiss, alles was ich aufgezählt habe, kann auch in Deutschland hinterfragt und wird oft auch „madig“ gemacht. Aber – sollten wir nicht trotzdem dankbar dafür sein? Besonders im Vergleich zu anderen Menschen auf der Welt?

Lasst uns dieses Erntedankfest zum Anlass nehmen, Gott unseren Herrn wieder ganz neu mit Dank und Anbetung zu ehren und, um mit Luther zu sprechen, aus Dankbarkeit ihm zu dienen und zu gehorchen.  Denn: Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn. Drum dankt ihm, dankt und hofft auf Ihn.

Wir wollen ihm aufrichtig danken für das Brot, das die Erde hervorbringt, aber ganz besonders für das Brot des Lebens, Jesus Christus, unseren Herrn!

Amen.

Pastor Herbert Poganatz