Monatsspruch April 2021

 

Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung (Kolosser 1:15)

 

Seit Beginn des Christentums hat die Kirche ein besonderes Interesse daran gehabt, die Person unseres Herrn Jesus Christus biblisch-theologisch korrekt darzustellen. Damit sollte den früh entstehenden Irrlehren begegnet werden. Ein wirksames Mittel dazu waren die Glaubensbekenntnisse, die sog. Credos.

Es beginnt mit dem Apostolischen Glaubensbekenntnis und findet Fortsetzung in weiteren frühkirchlichen Credos, die die biblischen Aussagen über Gott und z.B. die Dreifaltigkeit bekenntnismäßig erfassen. Ein besonders wichtiges Glaubensbekenntnis aus dem Jahre 381 ist das sog. Nizänum, in dem die Kirchenväter in sehr anspruchsvoller Weise definiert haben, wer Jesus Christus ist, denn mit seiner Person steht und fällt unser Glaube:

(Wir glauben)“an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, der aus dem Vater geboren ist vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftiger Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn sind alle Dinge geschaffen“.

Diese Definition lässt sich sehr gut auf unseren Monatsspruch anwenden. Dabei werde ich an das schöne Lied erinnert: „Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschöpften Lichte, führ uns diese Morgenzeit deine Strahlen zu Gesichte...“ Hat nicht Jesus von sich gesagt: Ich bin das Licht der Welt?

Ja, die Frage ist nach wie vor aktuell: Wer ist und wer war Jesus Christus? Dietrich Bonhoeffer z.B. hat diesem Thema viel Aufmerksamkeit gewidmet, weil er der Überzeugung war, dass mit der Person Jesu die Botschaft des Evangeliums steht oder fällt. Biblisch-theologisch begründete Antworten darauf fand er in den altkirchlichen Glaubensbekenntnissen, u.a. im Nizänum.

Was der Apostel Paulus in unserem Monatsspruch bekennt, entspricht dem, was Jesus selber von sich gesagt hat: „Wer mich sieht, der sieht den Vater“ (Joh 14:9), und „ehe Abraham war, bin ich“ (Joh 8:58).

Jesus von Nazareth ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, er ist Gottes menschliches Gesicht auf Erden. Wer wissen möchte, wer und wie Gott ist, der entdeckt in den Evangelien das Wesen und die Eigenschaften Gottes in der Person von Jesus. Gott ist wie Jesus ist! Der Apostel Paulus fasst das Wesen Gottes in seinem Brief an Titus in sehr schöner Weise in die Worte: „In Jesus ist erschienen die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes“ (Titus 3:4).  „Menschenliebe“ Gottes ist die deutsche Übertragung des griechischen Wortes „Philanthropie“. Damit wir Menschen diese Freundlichkeit Gottes sehen und erfahren können, kam Jesus zu uns. Er ist der größte Philanthrop der Weltgeschichte, vor dem alle Religionsgründer und großen Wohltäter klein erscheinen müssen. Denn seine Liebe zu uns Menschen brachte ihn dazu, sich für uns und unsere Sünden am Kreuz zu opfern. Ohne dieses Opfer am Kreuz gäbe es keine Vergebung, keine lebendige Hoffnung, keine Zukunft in Herrlichkeit. Die Apostel werden nicht müde, das in ihren Briefen an die Gemeinden in vielfältiger Weise zu bezeugen. So auch Paulus in unserem Monatsspruch.

Jesus Christus ist Gott, gleichzeitig der direkte Zugang zu Gott als Mittler zwischen Gott und den Menschen. Im zweiten Kapitel des Kolosserbriefes bekennt Paulus, dass „in ihm die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt“ (2:9).

Und zu diesem wunderbaren Herrn haben wir durch den Glauben Zugang! Ungehindert, allezeit, voller Vertrauen und Gewissheit!

Die Apostel haben die Gemeinde aller Zeiten immer wieder dazu ermutigt, diesen starken und großen Gott zu suchen und bei ihm Hilfe und Trost zu finden. Der unbekannte Schreiber des Hebräerbriefes ermutigt uns:

„Lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben“ (Hebr 4:16).

Unsere Gebete zu Jesus finden offene Ohren bei ihm, der wahrer Mensch und wahrer Gott ist, bei ihm, der Verständnis für unsere Schwachheit hat und uns in allen Lebenssituationen liebevoll begleiten möchte.

Jesus Christus ist keine vorübergehende Zeiterscheinung. Er war schon immer da, das drückt der zweite Teil des Monatsspruches aus – vor aller Schöpfung, am Anfang aller Dinge. Er ist der Ewige und Beständige. In ihm hat unser Leben festen Bestand, obwohl es durch Nöte, Durststrecken und Bedrängnisse geht. Lasst uns daran im Glauben festhalten und unsere Blicke erneut auf den Anfänger und Vollender unseres Glaubens richten!

 

Es grüßt herzlich

Pastor i.R. Herbert Poganatz