Monatsspruch August 2020

 

„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele“ (Psalm 139,14)

 

„Du bist du, das ist der Clou“. Jedes Mal, wenn ich dieses Lied für und mit meiner Enkelin anstimme und in souveräner Weise den Text ein wenig ändere, ist sie ganz Ohr und freut sich besonders, wenn ich sie mit dem Finger antippe: „Du bist du, das ist der Clou“. Gewiss, „das ist der Clou“ steht bekanntlich nicht im Originaltext von Jürgen Werth, dem Autor dieses Liedes. Aber es reimt sich so schön und drückt aus, worum es hier geht: „Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu…“

Der Beter des 139. Psalms, in dem unser Wochenspruch steht, ist fasziniert von seinem Schöpfer, als dessen wunderbares Werk er sich versteht.

Wenn es Eltern und Großeltern gelänge, dieses Wissen um die Einzigartigkeit eines jeden Kindes den Kleinen zu vermitteln, kann das eine große Hilfe für das spätere Leben sein. Wenn ein Kind lernt, zu seinem „Sosein“ früh ein Ja zu finden, ist es besser gerüstet für so manche Situationen, die kaum einem Kind erspart bleiben – Mobbing, sich lustig machen über gewisse körperliche Merkmale etc.

So wie ich bin, bin ich gut. Denn, wie es im Lied von Jürgen Werth heißt, „dass du lebst, war keine eigene Idee, und dass du atmest, kein Entschluss von dir… Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur… du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Du bist du“.

Ist das nicht auch die Botschaft von Psalm 139? „Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin.“ So wie ich bin, darf ich mich annehmen und danken, denn „dein Gesicht hat niemand sonst auf dieser Welt, und solche Augen hast alleine du…“

Wer das einmal verinnerlicht hat, ist besser gerüstet für hämische Kommentare von „Mitmenschen“, die besonders bei sensiblen Kindern oft großen Schaden anrichten.

Was mich immer wieder tief berührt und nachdenklich macht, sind Erfahrungen mit Menschen, die ihre ureigenen Schwierigkeiten mit ihrem Sosein haben, und deren Empfindungen niemand außer ihnen selbst nachvollziehen kann. Sie brauchen Verständnis und besondere Zuwendung.

 „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin“, sagt unser Monatsspruch, und „wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele“.

Manchmal ist der Weg zu solch einer persönlichen Erkenntnis lang und schwer. Im Innersten meiner Existenz zu meinem Sosein ein volles Ja zu finden, kann mit inneren Kämpfen verbunden sein und auch von Rückschlägen begleitet werden. Obwohl es ein Lied für junge Leute ist, hilft es auch mir auf dem Weg der dankbaren Selbstannahme: „…du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Du bist du – das ist der Clou“. Und ich bin ich – mich gibt es nur einmal, ich bin auch ein Gedanke Gottes, vielleicht sogar ein recht humorvoller meines Schöpfers.

Ich werde weiterhin bei jeder passenden Gelegenheit mit meiner kleinen Enkelin dieses Lied singen.

Helfen wir doch auch anderen Menschen dabei, sich selber in ihrem Sosein zu akzeptieren und als von Gott geliebte Geschöpfe zu verstehen. Eine betende Lektüre des wunderbaren Psalms 139 kann dabei eine Hilfe sein

 

 

Es grüßt herzlich

Pastor i.R. Herbert Poganatz