Monatsspruch September 2018

 

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende“ (Prediger 3:11).

Der Monatsspruch ist Teil eines sehr lebensnahen Kapitels des Predigerbuches, auch Qohelet genannt. „Alles hat seine Zeit unter dem Himmel“ heißt es in den ersten Versen des 3. Kapitels. Hier wird so ziemlich alles beschrieben, was in einem Menschenleben zwischen Geburt und Tod geschehen kann: Geboren werden – sterben. Pflanzen – ausreißen was gepflanzt wurde. Töten – heilen. Weinen - lachen. Abbrechen – bauen, usw.

Wer sich die Mühe macht, das dritte Kapitel des Buches Prediger einmal aufmerksam zu lesen, wird gewisse Parallelen zu seinem eigenen Leben feststellen. Für jeden von uns hat die Kombination von Gegensätzen, die hier aufgezählt wird, einen anderen Erfahrungshintergrund, z.B. in Vers 4:

„Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit. Klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit“. Ja, Freud und Leid, Trauer und Getröstet werden – das sind konkrete Erfahrungen, die häufig in unserem Leben nahe beieinander liegen.

Manchmal haben wir den Eindruck, dass unser Leben aus Wechselbädern besteht, die uns und unsere Kraft bis zum Zerreißen beanspruchen. Dabei bleiben viele Fragen offen und machen uns ratlos.

Aber – Hoffnung leuchtet auf. Es gibt eine Konstante, die uns auf unserem Lebensweg Halt und Zuversicht geben kann:

Der Gott, der die Zeit geschaffen hat und bereit ist, sich unseres persönlichen Lebens anzunehmen, der hat etwas in eines jeden Herz gelegt, das die Wirren dieser Zeiten überdauert und Grund zu Vertrauen und Festigkeit gibt, er hat Ewigkeit in unsere Herzen gelegt:
„... auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende“ (V. 11).

Der Vers beginnt ja mit der Aussage, dass Gott alles schön gemacht hat zu seiner Zeit. Diese schönen Zeiten des Lebens dürfen wir in vollen Zügen genießen, wie es am Schluss des Abschnittes heißt: „Ein Mensch, der isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes“ (Vers 13).

Aber wie steht es mit den wechselhaften Umständen unseres Lebens, die uns belasten und schwer zu verkraften sind? Sie müssen nicht das letzte Wort sein, sie sind eher ein Ruf nach dem Eigentlichen, das unsere Existenz in guten und weniger guten Zeiten trägt. Das Eigentliche ist die Hoffnung auf das ewige Leben, und dass Gott uns Anteil an seiner Ewigkeit schenkt. Wie es in einem älteren, schönen Lied heißt: „Hell und Dunkel deines Lebens sind ein Ruf nach Haus...“

Der Fluss der Zeit, in dem wir uns befinden, mündet in die Ewigkeit, die auch eine Schöpfung Gottes ist. Den Ansatz dazu hat er bereits in unser Herz gelegt. Es ist zwar so, wie wir gelesen haben – der Mensch kann dieses Werk Gottes nicht ergründen. Manches bleibt noch unverständlich, aber im Evangelium von Jesus Christus können wir schon vieles wahrnehmen, erkennen und teilweise verstehen. Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn in die Welt, um uns Menschen zu sich zu rufen und Anteil zu geben an seiner Ewigkeit in Herrlichkeit, wie es der Apostel Paulus im Galaterbrief ausdrückt (Kap. 4).

Die Botschaft des Evangeliums lautet, dass unser Leben nicht nur aus einer manchmal sinnlos erscheinenden Abfolge von Situationen besteht. Die Mitte unserer Existenz ist verankert in der biblischen Aussage, dass wir auf Ewigkeit angelegt sind. Und mögen Nihilisten und Materialisten auch das Gegenteil behaupten –Bibelleser wissen mehr. Ewigkeit beginnt schon hier auf Erden. Für den christusgläubigen Menschen heißt das, dass unsere irdische Existenz zwar vergänglich ist, aber nicht abrupt mit dem Tod endet – sie findet ihre Fortsetzung in der Ewigkeit. Und diese Ewigkeit mit dem Herrn Jesus Christus ist das Angebot des Evangeliums, das wir im Glauben annehmen dürfen.

Wenn wir davon ausgehen (und wir können es), dass das Alte Testament Verheißung und das Neue Testament Erfüllung ist, dann ist dieser Monatsspruch aus dem Buch Prediger schon ein Hinweis auf das Evangelium von Christus. Was Qohelet noch nicht wusste, ist durch das Kommen Christi in die Welt Wirklichkeit und Möglichkeit geworden – das ewige Leben.

Dieses Werk Gottes kann uns Hoffnung und Zuversicht geben in den Wechselfällen unseres Lebens.

 

Liebe Grüße,

Pastor i.R. Herbert Poganatz