Prediger 12:1-8

Was Alte und Junge verbindet

 

Zwei Rentner unterhalten sich bei einem Glas Wein. Meint der eine: „Ist was mit dir? Du siehst so niedergeschlagen aus“. Antwortet der andere: „Ich habe nur gerade ein Buch mit einem sehr traurigen Ende gelesen.“

Und wie lautet der Titel?

„Mein Sparbuch“.

 

Wenn wir Dinge finden wollten, die Alt und Jung verbinden, müssen wir nicht lange suchen – die Sorge um unsere Einkünfte, Zukunftsvorsorge und Zukunftsängste, Einsamkeit, Gesundheitsprobleme, Beziehungsschwierigkeiten usw.

Es gibt kaum etwas, das nicht schon in den besten Jahren in unserem Leben vorhanden ist, das sich nicht mit zunehmendem Alter akzentuiert...

Der Rat der Heiligen Schrift ist, früh genug damit zu beginnen, sich für die schwierigen Tage unseres Lebens zu rüsten.

Sei es die finanzielle Vorsorge, die Abdeckung gesundheitlicher Risiken oder die Frage nach dem Wohnsitz im Alter. Der kluge Mann, die kluge Frau sorgt vor. Dieses Statement kennen wir alle zur Genüge, und es gibt zum Glück in unserer Gesellschaft vielfältige Möglichkeiten, Vorsorge zu treffen.

Allerdings gibt es da in der Heiligen Schrift einen Rat, den viele Menschen leider nicht sehr ernst nehmen.

Der weise Koheleth - Salomo, der Sohn Davids, hat im alttestamentlichen Buch „Prediger“ tiefgründige Lebensweisheiten niedergeschrieben, die geradezu sprichwörtlich geworden sind, z.B.:

„Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt, und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben. Denn wo viele Güter sind, da sind viele, die sie aufessen; und was hat ihr Besitzer mehr davon, als das Nachsehen?“ (Kap. 5, 9-11)

 

Der Prediger verkündet in seinem Buch keinen Fatalismus – im Gegenteil. Er ermutigt seine Leser, das Leben zu genießen. Z.B. sagt er: „So habe ich nun das gesehen, dass es gut und fein sei, wenn man isst und trinkt und guten Mutes ist bei allem Mühen, das einer sich macht unter der Sonne in der kurzen Zeit seines Lebens, die Gott ihm gibt; denn das ist sein Teil.“

Es gibt viele solcher Aussagen im Buch des Koheleth, des Predigers Salomo.

Das Leben bejahen und genießen, ja, aber...

Unser Predigttext hat als Einleitung einen Rat für die Jungen: „So freue dich, Jüngling, in deiner Jugend und lass dein Herz guter Dinge sein in deinen jungen Tagen...“ (Cap. 11:9).

Ja, aber...

Wieso ja, aber?

Aber vergiss darüber nicht das Allerwichtigste: „Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen und die Jahre sich nahen, da du wirst sagen: Sie gefallen mir nicht“.

Was Alte und Junge miteinander verbindet, ist nach den Aussagen unseres biblischen Textes dreierlei:

 

1. Da gibt es Zeiten, die man als „die beste Zeit des Lebens“ bezeichnen kann, bei Jungen und bei Alten.

 

2.  Es gibt bei beiden „Tage, die uns nicht gefallen“.

 

3.  Es gibt da ein sicheres Ereignis im Leben, dem wir alle uns nicht entziehen können.

 

Was ist die beste Zeit des Lebens?

Darauf gibt es verschiedene Antworten. Die Standardantwort ist natürlich: Das ist die Jugendzeit.

Ich habe aber auch schon rüstige Rentnerinnen und Rentner gehört, die das Leben im gesicherten Ruhestand als die beste Zeit ihres Lebens ansehen.

Allerdings ist ja auch ein Merkmal unserer Zeit das, was man gemeinhin als Jugendwahn bezeichnet. Jung bleiben, mit allen Mitteln. Ist zwar unmöglich, wird aber von vielen Menschen angestrebt.

Ich persönlich halte meine Jugendzeit für die beste Zeit meines Lebens. Im Rückblick bin ich dankbar dafür, dass mein Leben seit dem 17. Lebensjahr dem Herrn Jesus Christus gehört und es seitdem unter seiner Führung steht.

Das Finden meiner Frau, die Berufung in den geistlichen Dienst, die Geburt der Kinder, die Jahre des Dienstes in verschiedenen Ländern erhalten ihren besonderen Wert dadurch, dass am Anfang dieses langen Weges die persönliche Begegnung mit Jesus Christus stand, der uns bis zum heutigen Tag treu begleitet und geleitet hat.

Ich habe etliche Menschen kennengelernt, die meinten, dass eine feste Beziehung zu Gott etwas für das Alter sei. „Ich möchte das Leben genießen, solange ich jung bin“. Dahinter steht die irrige Auffassung, dass ein Leben mit Gott ein freudloses und entbehrungsreiches Unterfangen sei. Sicher gibt es Vertreter des Christentums, die durch ihren freudlosen Lebensstil zu dieser Auffassung beitragen.

Das ist aber nicht die Botschaft der Bibel. Man kann gerade auch mit Gott das Leben in vollen Zügen genießen. Man kann die eheliche Liebe, die Wärme der Familie, den Erfolg im Beruf unter dem Segen Gottes wirklich genießen. Denn dieser Genuss hat keinen bitteren Beigeschmack und ist nicht von einem schlechten Gewissen begleitet.

Gott und den hingebungsvollen Glauben an Jesus Christus aus der Jugendzeit auszuklammern führt oft dazu, die besten Jahre unseres Lebens in den Sand zu setzen.

Ein frühes Hören auf  Gottes Wort ist vergleichbar mit dem Anlegen und Ausbauen eines soliden Fundamentes, auf dem unser Lebenshaus stabil gebaut wird.

Nun mögen einige einwenden, dass sie das alles auch ohne Gott erreicht haben. Aber das scheint doch sehr kurzsichtig argumentiert zu sein. Wer hat denn die Gesundheit, das Gelingen und die Stabilität geschenkt, wenn nicht der Schöpfer, den man ausklammern möchte? Zieht er nur für einen Moment seine Hand von uns ab, dann kann es ganz schnell dunkel werden...

Der britische Atheist Richard Dawkins, der durch seine Kampagnen bekannt geworden ist „Gott existiert mit großer Wahrscheinlichkeit nicht“, meinte in einem Interview, dass Gott für viele Menschen so etwas wie ein eingebildeter Freund sei, eine Art Hilfskonstruktion, die über sein Nichtvorhandensein hinweghelfen könne...

Ist Gott ein eingebildeter Freund? Das wäre ein billiger Trost, der nichts wert ist.

Er ist der Schöpfer und Erhalter der Welt, ob das Mr. Dawkins recht ist oder nicht.

Es lohnt sich, schon in frühen Jahren sein Leben unter seinem Segen zu führen, eben weil es unausweichlich ist, dass „böse Tage“ kommen. Und ehe sie kommen, ist es ratsam, ein gutes Fundament für unser Lebenshaus zu haben.

Denn das haben Junge und Alte als gemeinsame Erfahrung, und das verbindet sie:

 

Die bösen Tage, die ich als zweite Gemeinsamkeit herausgestellt habe.

Die bösen Tage im Leben eines jungen Menschen gibt es zuhauf, ohne Zweifel, und manchmal gleichen sie sogar denen eines Älteren.

Aber in unserem Predigttext geht es hauptsächlich um die Tage, die uns nicht gefallen im Leben eines älteren Menschen. Die Verse 2-6 sind eine dichterische Schilderung von Zuständen und Situationen des Lebensalters, in dem Freude und Lebenslust getrübt sind, wo Krankheit und Gebrechen häufige und unangenehme Begleiter sind.

Der Leib wird mit einem Haus verglichen. In der anschaulichen Art hebräischer Poesie beschreibt der Weise die Arme, die Beine, die Augen, die Zähne und die Ohren eines Menschen, der schon bessere Zeiten gesehen hat.

Die Hüter des Hauses zittern – Arme und Hände geraten in Bedrängnis, sie es durch Schwachheit, Krankheit oder Erschöpfung.

Die Starken krümmen sich – hier werden die Säulen, die Beine und Hüften angesprochen, die nicht mehr alleine die Last tragen können und Unterstützung brauchen durch Gehhilfen...

Die Müllerin stehen müßig – sie können nicht mehr mahlen. Können Sie sich vorstellen, was hier gemeint ist?

 

Dazu eine Rätselfrage: Die ersten und die zweiten bekommen wir gratis, die dritten oder gar vierten kosten uns viel Geld. Was ist das? Klar – es sind die Zähne...

 

Zwei Rentnerinnen treffen sich. Sagt die eine: Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugemacht wegen der Zahnschmerzen. Meint die andere: Das kann mir nicht passieren. Ich und meine Zähne schlafen getrennt.

 

Ja, die Müllerinnen. Manchmal stehen nur noch wenige in Müllers Mühle, manchmal sind sie ganz weg und werden ersetzt, was in unserer Zeit wenig Probleme bereitet, aber sehr kostspielig ist.

 

Dann ist hier auch die Rede von den Fenstern, den Augen. „Wenn finster werden, die durch die Fenster sehen.“

All die Reklame von Brillenherstellern kann nicht darüber hinwegtäuschen, weder bei Jungen noch bei Alten, dass es doch besser ist, ein ungetrübtes Augenlicht zu besitzen. Bei einigen funktioniert das Lasern der Augen ganz gut, bei anderen nicht...

Wenn die Türen an der Gasse sich schließen – ohne Frage die Ohren, die mehr und mehr auf Hilfsmittel angewiesen sind.

 

Das gehört zu den Tagen, die uns nicht gefallen.

Die poetische Beschreibung geht weiter:

Wenn man vor Höhen sich fürchtet und sich ängstigt auf dem Wege. Ist das nicht eine anschauliche Beschreibung des Treppensteigens?

Wenn der Mandelbaum blüht – wenn weißes Haar unser Haupt bedeckt.

Wenn die Heuschrecke sich belädt und (wie es in der span. Bibel heißt) man den Appetit verliert. Ich entdecke hier den gekrümmten Rücken und die schmerzende Wirbelsäule, außerdem die veränderte Nahrungsaufnahme.

 

Nun mögen wir einwenden, dass das alles für die damalige Zeit wohl zutrifft, aber wir heute damit besser umgehen können. Mag sein. Wir können dankbar sein für die gute medizinische Versorgung, für die relativ hohe Lebenserwartung und alle Segnungen der medizinischen Wissenschaft, die uns im Alter helfen. Aber – entfernen Sie einmal nur für eine kurze Zeit alle Hilfsmittel – Gebiss, Brille, Hörgerät, Aufzug im Haus, Lift, Rollstuhl, Rollator. Dann verstehen wir, was mit den Tagen gemeint ist, die uns nicht gefallen.

Deshalb sagt uns Gottes Wort: Warte nicht, bis solche Tage kommen. Denke an deinen Schöpfer in der Jugend.

Und die Älteren, die das in ihrer Jugend noch nicht getan haben? Die sind eingeladen, sich in ihrer jetzigen Lebenssituation an den Herrn des Lebens zu wenden, denn Jesus lädt doch ein: Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Da gibt es keine Altersgrenze, und wer es nicht in seiner Jugend getan hat, der darf es heute tun – zu Jesus kommen, um bei ihm die Last des Lebens abzuladen.

 

Unser Bibeltext zeigt uns ein drittes Element, das Alte und Junge verbindet.

Es ist das sicherste Ereignis im Leben eines jeden Menschen, jung oder alt – der Tod.

In Vers 5 finden wir ein Bild vom Begräbnis in jener Zeit:

„... der Mensch fährt dahin, wo er ewig bleibt und die Klageleute gehen umher auf der Gasse“.

Wie gut, wenn man an seinen Schöpfer in der Jugend oder auch im Alter gedacht und sich auf dieses Ereignis vorbereitet hat. im 90. Psalm betet schon Mose, der Mann Gottes: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“.

Die beste Vorbereitung ist, im Frieden mit Gott zu stehen, aber auch mit den Menschen um uns herum.

Friede mit Gott schenkt uns Jesus Christus, wenn wir ihn als unseren Herrn und Erlöser im Glauben annehmen. Er will unser Leben in Ordnung bringen, indem er uns vergibt und alles wegnimmt, was uns von Gott und anderen Menschen trennt.

Haben Sie schon von diesem Angebot Gebrauch gemacht?

Unser Text fährt fort:

Denke an deine Schöpfer in deiner Jugend, ehe der silberne Strick zerreißt. Damit ist fraglos der Lebensfaden gemeint, der äußerst wertvoll ist – aus Silber.

Ehe die goldene Schale zerbricht, ein Bild für unseren Leib, der trotz aller Gebrechen in Gottes Augen sehr wertvoll ist, denn er ist ja der Schöpfer!

Ehe der Eimer zerschellt an der Quelle und das Rad zerbrochen in den Brunnen fällt, vielleicht ein Bild für unser Herz, für die Lunge und Atmung.

Ehe das alles geschieht, und es kann ja bei Jungen und Alten unvorhergesehen oder auch vorhergesehen passieren – ehe das geschieht, ist es gut, mit seinem Schöpfer im Reinen zu sein. Das ist wahrlich ein guter Rat.

Denn, so heißt es weiter, der Staub muss wieder zur Erde kommen, wie er gewesen ist,

und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.

So ist dieser äußerst ausdrucksstarke, poetische Text mehr als ein Gedicht, an dessen literarischer Form man einen großen Schriftsteller erkennen kann.

Es ist eine Anfrage und Herausforderung an uns als Hörer. Ist unser Leben mit Gott, dem Schöpfer, schon geordnet? Diese Frage stellt sich Jungen und Alten – sie verbindet uns unabhängig vom Alter.

Friede mit Gott, Gewissheit der Vergebung der Sünden ist möglich durch unseren Herrn Jesus Christus. Er lädt uns ein, mit unseren Lasten, Gebrechen und Sorgen zu ihm im Gebet zu kommen, um Heil und Frieden zu bekommen.

Dazu ist jeder von uns herzlich eingeladen.

Amen.

 

Pastor i.R. Herbert Poganatz